München - Venedig

Traumpfad München – Venedig Tag 15. Ich bin in ITALIEN 🇮🇹

Dienstag, 21.07.2020:  Olpererhütte – Pfitscherjochhaus. ÜBERSCHREITUNG DER GRENZE NACH ITALIEN!!! 402 hm rauf, 506 hm runter, 9.9 km. 4 Std. Gehzeit, Unterkunft Pfitscherjochhaus

ICH BIN IN ITALIEN!

Heute vor genau zwei Wochen bin ich losgelaufen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich es bis Südtirol wirklich schaffe, aber hier sitze ich und trinke Cappuchino!

Um 14:04 Uhr war es so weit – mein Rucksack und ich passieren den Grenzposten, verlassen Österreich und erreichen ITALIEN.

Da galt es erstmal ausruhen, den Grenzstein im Rücken und das unglaubliche Gefühl genießen. Und dann hab ich meine italienische Freundin Elisa angerufen! Die ist auch grad in Italien, hat aber weniger lang dorthin gebraucht 🙂

 

Von hier aus waren es dann nur noch 10 Minuten zum Pfitscherjochhaus. Durchs schönste Südtirol. Sogar die Sonne kam zur Begrüßung wieder raus.

Mal im Rückblick: So (in etwa) sahen meine letzten beiden Wochen aus:

Die große Übersichtskarte die ich habe, werde ich ab morgen umdrehen müssen. Das könnte bedeuten, dass die Hälfte erreicht ist. Naja auf der Karte. Von den Höhenmetern her noch lange nicht. Wobei…?

Ich habe gerade mal die Summenfunktion meiner App angeworfen. Ich habe seit Start: 9.255 hm im Aufstieg, das ist ja doch quasi die Hälfte!! 7.794 hm im Abstieg. Und 232 km. Das ist AUCH fast die Hälfte 🙂 🙂 🙂 Heute gibt es ein Glas Wein!

Heute Morgen saß ich noch eine Stunde bei „der Brücke“ oben. Fast allein. Mal zwei Leute, die um ein Foto gebeten haben. Unter anderem der Neon-Kasper, der gestern Abend schon jedem erzählt hat, dass er die letzten 2 Etappen in einer gegangen ist. Also nicht MEINE zwei letzten, sondern die Originaletappen. Das ist sportlich WIRKLICH bemerkenswert, aber ich hatte die Geschichte gestern schon 4 mal gehört. Heute ist er um halb acht an der Brücke an mir vorbei, bat um ein Foto und fängt schon wieder an zu erzählen, wie schwer es ist jemanden zu finden, der das eigene Tempo mitgeht. Deswegen muss er halt immer allein gehen. Ich hab gesagt, das kenne ich so gut, deswegen geh ich auch allein 😉 Schön war sein verwunderter Blick, als er mich von oben bis unten gescannt hat…

Heute ist mein persönlicher Tag 15 und ich stehe auf Originaletappe Nr.  11. Damit bin ich gerade so tief zufrieden. Weil ich (fast) jeden Tag so genießen konnte, an jedem Tag Zeit hatte „in die Luft zu gucken“, die Landschaft aufzusaugen, mich „reich“ und beschenkt zu fühlen. Für Lesen und Schreiben. Weil ich fast nie abends tot und körperlich völlig überfordert ins Bett gefallen bin. Und trotzdem merke wie ich langsam fitter werde. Wie nicht nur meine FlipFlops sondern auch meine Wanderhose irgendwie zu groß wird. Es war bislang alles so … angemessen! Genau meins. Ludwig Grassler war Impuls- und Ideengeber, aber er ist nicht Taktgeber. Darauf bin ich gerade stolz. Es so anpassen, dass es für einen selbst passt, egal bei welchem Thema. Was weiß ich warum der damals so gerannt ist. Vielleicht hatte er einen Termin. Oder nicht genug Bargeld dabei (man muss auf den Hütten immer bar bezahlen)

Um 7 Uhr war ich schon beim Frühstück. Die Olpererhütte hat auch wenn man innen sitzt einen so tollen Blick, weil alles mit riesigen Panorama-Fenstern verglast ist. So ist der Blick von drinnen:

Heute Nacht war ich mit einer so netten 5-köpfige Familie mit 3 Orgelpfeiffen, ca. 8, 10 und 12 Jahre alt im Zimmer. Die gehen gemeinsam vom Alleghe bis Innsbruck, mit Kindern finde ich das echt noch bemerkenswerter. Ich hätte ja nicht die Energie, auch noch andere zu „aktivieren“ und motivieren. Zu dem Kleinsten hab ich dann gesagt „Mensch, toll was ihr so macht, oder?“ Er hat resigniert seine kleinen Schultern gezuckt und meinte: „Geht so.“

Den Weg hierher fand ich wunderschön. Heute mal nicht dieses „Jöchl-Geklettere“. „Jöchl“ das klingt so niedlich ist aber fast immer fies. Es ist dieses „auf der einen Seite steil rauf und auf der anderen wieder steil runter“-Spiel, dass ich phasenweise ETWAS zermürbend fand. Heute war ja laut der Beschilderung am Berg UND laut Rother ein „schwarzer“ Weg, also schwer. Langsam verstehe ich die gestrige Ratlosigkeit des Wirtes, es war einfach nur ein chilliges, mit ein bisschen auf und ab am Berg entlang gehen. Meist auf der selben Höhe, wie ein Panoramaweg bei dem man halt um 2 oder 3 große Berge drumrum geht. Wo die Landschaft so schön an einem vorbei zieht. Mit ein bisschen Geklettere über Felsen aber nirgends absturzgefährdert oder ausgesetzt. Gar nicht.

Nach dem ersten Anstieg kam ich morgens an einer weißen Madonna vorbei, die hoch auf einem Felsen thront. Ich habe meinen Rucksack abgestellt und bin zu ihr hochgeklettert ein Selfie machen. Vermutlich die moderne Form um ein bisschen Segen für den weiteren Weg zu bitten.

Die Steine oft als Stufen angeordnet oder flache Steine gewählt, gut zu gehen. Das „gefährlichste“ am Weg? Dass man doch immer in die Landschaft gucken muss…

Der gefährliche Fluss, den es zu überqueren gilt hat inzwischen eine kleine Brücke. Der zweite Fluss, wo wohl auch die 3 abgestürzt sind, eine Umgehung. Man kann jetzt höchstens nasse Füße bekommen, aber ebenfalls nicht mehr abstürzen. Ich habe die Geh-Zeit auf den Schildern geschlagen und war EXAKT in der Rother-Zeit. Es sind nur noch die ganz steilen Anstiege, die mich bremsen, der Rest pendelt sich langsam auf „Normalzeit“ ein.

Morgen ist nach den zwei entspannteren Tagen mal wieder ein „großer“ Tag, mit 1200 hm nach oben, 2.000 nach unten (!) und 20 km. Und der Rother warnt vor einer Stelle, wo sich sehr oft München-Venedig Geher verlaufen, seufz. Memo an mich: Powerbank aufladen! Ziel ist der kleine Ort Pfunders, wo ich in einem Gasthof nächtigen werde. Und übermorgen laufe ich schon zur Roneralm, und warte dort „auf den Mann!“

Ein schönes Zitat habe ich neulich gelesen, das passt so sehr zu dem heutigen Tag:

„Weißt du, alle sagen doch immer: Mach was aus deinem Leben, mach was aus jedem Augenblick. Aber ich weiß nicht, irgendwie glaube ich, es ist andersrum. Der Augenblick macht was mit uns.“

Richard Linklater im Film Boyhood.

8 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Super & cool! Und Danke für die tollen Bilder zu den Worten & tollen Worte zu den Bildern!

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  • Ich muss unbedingt und darf auf gar keinen Fall vergessen, Dir ganz herzliche Grüße auszurichten von Deiner (einzigen?) analogen Followerin – meiner Mama, die sich Deine Geschichten vorlesen lässt und begeistert ist. Und von der zweiten Vorleserin – meiner Schwester.

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    • Katharina Ehrhardt
      22. Juli 2020 23:11

      Das war eines meiner Tageshighlights heute, und das an einem SEHR highlightreichem Tag! DANKE dafür und ich hoffe dieser Kommentar wird dann auch von der Vorleserin vorgelesen: Grüße nach Seehausen an den Staffelsee Und vielen Dank fürs mentale Mitlaufen. DAs ist der einzige Nachteil an dem Abenteuer, Baden war bislang noch kaum, im Staffelsee noch gar nicht. Und gut zu wissen, dass es für eine evtl Hörbuch-Vertonung dann schon geübte Personen gibt… 🙂

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  • „Es so anpassen, dass es für einen selbst passt, egal bei welchem Thema.“
    So viel zum Thema „Anpassung“ ;-)…

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  • Andreas SCHNEEBERGER
    22. Juli 2020 16:31

    Sehr schön zum lesen!
    Wünsche Dir weiterhin einen guten „Lauf“!

    Liebe Grüße
    Andreas

    Antworten
  • Herzlichen Glückwunsch!!! 🙂 …. hey – alleine die Leistung von München nach Italien gelaufen zu sein kann Dich unheimlich stolz machen (also mich würde es das jedenfalls machen :)) Du legst da eine unheimlich schöne Reise hin – vielen Dank, dass Du uns daran teilhaben läßt! 🙂

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Hi, ich bin Katharina

Ein Jahr nach meinem München – Venedig Abenteuer versuche ich es erneut zu Fuß über die Alpen, diesmal „weiter drüben“. Seit 30.6.21 bin ich unterwegs von Salzburg nach Triest. 500 km, 26.000 Hm. Hier könnt ihr in Gedanken wieder mitlaufen!

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