München - Venedig

Traumpfad München – Venedig Tag 30. Pausentag in Belluno

5 km „Sightseeing“, Sonnig. Unterkunft Hotel Astor Suites.

Heute passiert im beschaulichen Belluno etwas sehr Aufregendes! Drei der Protagonisten dieses „Werkes“ werden heute aufeinander treffen! Drei Menschen werden heute Abend mit Bestimmtheit wissen, dass es die anderen beiden tatsächlich gibt. Ihr anderen müsst weiter grübeln, ob das alles so passiert sein kann….Eine Nutella-essende Geigerin? Ein Mann der das echt alles genauso mitmacht? Und auch für mich als „Autorin“ ist es eine Situation des „sich selber Kneifens“, sicher gehen dass man das alles nicht doch nur träumt. Wie kommt es dazu? Die beiden Geiger sind wegen dem Wetter abgestiegen, konnten den Schiara-Klettersteig nicht gehen, wollten es aber unbedingt nachholen. Also habe sie die Schlechtwetterfront abgewartet, unsere Route hat sich durch das Wetter ja auch leicht verändert, wir sind einen ungeplanten Tag früher in Belluno, sie einen länger, damit haben wir sie wieder eingeholt! Sie steigen heute wieder auf und gehen dann den Klettersteig zweimal, hin UND zurück. Und laufen dann wieder nach Belluno zurück. Abends sind wir zum Pizza essen verabredet!

Bis dahin werden wir ein bisschen durch Belluno bummeln, das bei Sonne so ganz anders aussieht. Wir lassen uns durch die Straßen treiben, finden den Einstieg zur morgigen Etappe, schauen in die eine oder andere Kirche rein. Es gibt schöne Brunnen und ein altes Stadttor. An einer Hauswand finde ich eine aufgemalte Karte bis Venedig. Ich fotografiere sie mir ab. Jetzt kann nichts mehr schief gehen.

Im Dom zünde ich zwei Kerzen an, eine als Dank für die bislang sichere und vor allem so glückliche, heitere, innerlich leichte Reise, und eine zweite für die Tage, die da noch vor mir liegen. Als ich aufblicke guckt mich eine große Madonna-Statue an, sie trägt das Jesuskind auf dem Arm. Dieses zeigt energisch mit einen Finger direkt nach oben, mit einem zweiten auf des Herz der Mutter. Ja das beschreibt den bisherigen Weg ganz gut: Immer dem Herzen nach und (aus irgendeinem mir unbekannten Grund) musste es dabei fast immer nach oben gehen 😉 Bergauf. Meistens steil. Wahlweise auch mal sau-steil.

Mittags sitzen wir am Marktplatz, es wird am Ende unseres Belluno-Aufenthaltes irgendwie sehr viele Bilder mit Aperol Spritz und Eis geben. Jetzt ist wieder so ein Moment, wo einige dieser Bilder entstehen, inklusive alle-Zeit-der-Welt-Gefühl. Es gibt Spaghettieis MIT Erdbeeren. DAS ist perfekt. Der Mann zeigt mir triumphierend ein Video auf seinem Handy. Es gab gestern im Waschsalon Lava-Wash einen kurzen Moment der Irritation meinerseits. Als er plötzlich anfing, sich in einem fremden Land, im Schaufenster besagten Waschsalons seine Hose auszuziehen und die frisch gewaschene, gerade aus dem Trockner kommende, anzuziehen. Mitten im Schaufenster. In einem fremden Land. Ein sehr atypisches Verhalten seinerseits. Er erklärte mir, das müsse man so machen, das habe er in Werbung gesehen. Was das bitte für eine Werbung sein soll, hab ich gefragt. Sowas darf höchstens der CocaCola Mann, und der macht das auch nicht. Er hat sie gefunden. Die Werbung. Es war der Levi’s Mann. Irgendwann in den 80gern….Ich häng sie euch unten an *augenverdreh*.

Viele Gespräche in Italien nehmen so ganz andere Wendungen, als sie es zuhause tun würden, laufen einfach anders und unerwartet ab. Das ist ja u.a. das Spannende am Reisen, auch mal ganz andere Reaktionsmöglichkeiten kennen zu lernen. Z.B. Als ich morgens auf der Tissi-Hütte die Mama von der kleinen Miss Nutella gefragt hatte, ob ich das Bild von ihr hier posten darf. Sie hat mich irgendwie nicht verstanden, obwohl wir beide gut genug englisch sprachen um das jetzt „klären“ zu können. Es musste der Mann des Hauses und Papa der Kleinen dazu geholt, obwohl der gerade heiße Kartoffeln in der Küche schälte. Auch er hat mich nicht verstanden, obwohl er noch besser Englisch sprach. Irgendwann hatte ich dann das Problem verstanden – sie haben das Problem nicht verstanden. Ich hatte dann erklärt, dass es deutsche Eltern meist nicht mögen, wenn man Fotos von ihren Kindern irgendwo ins Internet stellt. Sie haben sich darüber sehr gewundert und mich dann gebeten, das Bild auch auf ihre Facebook Seite zu laden.

Heute ist wieder so ein „anderer“ Gesprächsverlauf. Ich frage an der Rezeption nach einem Waxing-Studio. Das ist das einzig wichtige „To Do“ dass ich heute habe. Der sehr junge Kaffee-Barista und die deutlich ältere Rezeptionsdame bekommen sich jetzt in die Wolle ob der Frage, welches nun der BESTE Ort dafür in Belluno sein. Beide haben eine klare Meinung, sie diskutieren das ewig miteinander aus. Ich werfe irgendwann ein, mir würde das „Nahegelegendste“ reichen? Das wissen beide: Ach so, ja DAS sei hier im Haus, Baustellenbedingt müsse ich nur ums Haus rum und unten durch den Hintereingang rein. Sagt das doch gleich! Perfekt! Ich laufe gleich runter. Die Kosmetik-Dame sagt, sie sind für heute voll. Nein! Das geht jetzt gar nicht. Dann eben auf die harte Tour, Gesprächsverhandlung 2.0, Bild schlägt Wort. Ich ziehe meine Hosenbeine hoch, und frage ob sie findet, dass ich SO in einer Woche am Markusplatz in Venedig einlaufen kann. Nein, das findet sie nicht. Aus dem Nebenzimmer höre ich eine andere Frau auf italienisch laut etwas rufen, es ist die Chefin des Salons die wohl grad selbst bei einer Behandlung liegt. Beide diskutieren nun aufgeregt den Kosmetik-Studio-Kalender auf dem IPad. Und dann – die erlösende Ansage: Ich kann in einer Stunde gerne vorbei kommen. Was für ein guter Tag!

Abends sitzen wir in der sehr süßen Pizzeria auf der Terrasse mit Blick auf unser morgiges Ziel, den Col Visentin. Es gibt endlich mal wieder Salat, dazu leckere Pizza, Tiramisu das im Blumentopf serviert wird, Erdbeeren mit Sahne. Bei Krügen voller Rotwein diskutieren wir die Frage, die wohl jeder München – Venedig Geher an dieser Stelle diskutiert: In Belluno enden, oder noch eine Woche durchs Flachland laufen? Die meisten hören hier auf und nehmen den Zug nach Venedig. Der Rother schreibt dazu, in ungewohnt blumiger Sprache: „Gipfel, Grate, Scharten, Wildbäche und Bergseen haben die letzten Wochen unseren alpenwandlerischen Alltag geprägt. Jetzt wird sich das Antlitz unserer Alpenüberquerung abermals ändern: Die Pfadspur bäumt sich noch ein letztes Mal kraftvoll zum Nevegal auf, dem Schneeberg der Veneter. Er lässt in die Dolomiten zurückblicken und eröffnet den Blick bis hinunter an die Adriaküste. Dann verebbt die Landschaft in der venezianischen Tiefebene und mit ihr unser Weg. Sicher wünschen Sie sich eine ehrliche Aussage, wie lohnend dieser letzte Abschnitt ist. Lassen Sie es uns so ausdrücken: Bisher war schon der Weg allein Ziel genug – ein großartiges, abwechslungsreiches und forderndes Ziel: Der Endpunkt Venedig war eine wunderbare Zugabe in weiter Ferne. Dieses Verhältnis verschiebt sich jetzt: Der Weg wird spätestens ab Tarzo für viele nur noch als Weg zum Ziel Venedig taugen.“ Er schreibt weiter von fehlenden Markierungen, Hitze, langen Wegen auf  Asphalt, vorbei an Kieswerken und Staudämmen. Viele würden dies als unattraktiv empfinden. Sie glauben aber doch, es rundet die Reise erst ab, zielführende letzte Tage. Und es sei ein unglaubliches Gefühl für die Autoren gewesen, „mit den von Steigen und Teerstraßen geschundenen Zehen im Adriasand zu spielen und dann mit dem Vaporetto in die Lagune zu schaukeln. Wer vom Schiff steigt und in Alpenüberquerer-Montur die letzten Schritte zum Markusplatz geht, wird diesen Moment und die geernteten Blicke sicher so schnell nicht vergessen.“

Auch am Tisch herrschen hierzu ganz unterschiedliche Meinungen. Für mich ist die Sache sehr klar:

1. Ich habe Zeit.

2. Ich trage ein T-Shirt auf dem Steht: vom Marienplatz zum Markusplatz. Da steht nicht: „Vom Marienplatz bis Belluno“ und es steht auch nicht dort „vom Marienplatz bis kurz vorm Kieswerk irgendwo in der Pampa.“ Das steht da einfach nicht.

Ich laufe also auf jeden Fall. Und freue mich drauf. Nach all den „WoW-Tagen“ ein paar ruhigere, es auslaufen lassen, innerlich abschließen. Ohne ein Highlight das hinter jeder Ecke winkt. Das ist genau richtig so. Bis dann zum großen Highlight Venedig,

P.S. Ach so, hier noch der versprochene  Link zur Argumentationsgrundlage des Mannes für seine gestrige Aktion. Es war FAST genauso wie in dem Video…. https://www.youtube.com/watch?v=wT4DR_ae_4o

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ja!!! Unbedingt weiterlaufen – ich will die Geschichten weiterlesen 😂 viel viel Spaß in der letzten Woche! Ich bin sicher es gibt auch auf flachen Etappen tolle Erlebnisse!! Endspurt!

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    • Katharina Ehrhardt
      9. August 2020 20:19

      Heute bestanden sie vor allem aus ESSEN 😂 Ich werd doch noch Food-Porn-Blogger. Eigentlich war diese Entwicklung absehbar 😂

      Antworten
  • Du kannst zwar jetzt schon mega stolz auf deine Leistung sein, aber hier aufzuhören, weil nicht attraktiv genug, wäre Quatsch. Bleib beim Motto deines Tshirt‘s! Wie du schon so schön beschrieben hast, auslaufen lassen…
    Ich wünsche dir für die letzten Tage noch ein paar schöne Erlebnisse und nicht allzu große Hitze!!!
    Ganz liebe Grüße an dich🤗😘

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Hi, ich bin Katharina

Ein Jahr nach meinem München – Venedig Abenteuer versuche ich es erneut zu Fuß über die Alpen, diesmal „weiter drüben“. Seit 30.6.21 bin ich unterwegs von Salzburg nach Triest. 500 km, 26.000 Hm. Hier könnt ihr in Gedanken wieder mitlaufen!

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