Tag 12 Salzburg – Triest: Ohne Brad Pitt ins Abenteuerland

Sonntag, 11.07.21

Fraganter Schutzhaus – Stall. Unterkunft Gasthaus Dorfschenke

Hm rauf 65, runter 785, gelaufene km 11.  Wir sind aber ganz wo anders gelaufen 🙂 Gehzeit 3 Stunden.

Um 6 Uhr sind wir alle wach und ausgeschlafen. Ich bin nachts mal raus um zu gucken ob man Sterne sieht, aber es war bewölkt. Es ist nebelig und sieht nach Regen aus. FĂŒr heute stehen 2 Varianten auf dem Programm. Eine mit anstrengender Bergtour ĂŒber den Sadnig, mit bei schönem Wetter tollen Ausblicken UND der Möglichkeit Brad Pit zu treffen. Naja zumindest einen Drehort aus „7 Jahre Tibet“. Aber vielleicht hĂ€ngt er da ja noch rum? Es wĂ€re wieder eine schwere Etappe mit 1.000 Höhenmetern rauf, 2.000 runter, 20 km, insgesamt 8,5 Stunden Gehzeit. Bevor morgen dann 1.750 Höhenmeter im Aufstieg anstehen und ĂŒbermorgen die technisch schwierigste Etappe der ganzen Tour kommt?. Puh
.Es gĂ€be aber eine „Schlechtwetter-Alternative“ die fĂŒhrt in guten 4 Stunden ins Tal nach Stall runter, auf einer Turnschuh-Strasse.

Ich beginne meine morgendliche ArgumentationsfĂŒhrung: „Also das Wetter ist ja nun wirklich nicht sooo gut
.“ Mira meint „Wir frĂŒhstĂŒcken jetzt erstmal.“ Dann lacht sie „ich glaube, wir haben es unbewusst eh schon alle entschieden. Aber lass uns ruhig noch etwas darĂŒber sprechen
“

Die Jungs sitzen schon beim FrĂŒhstĂŒck und wollen gar nicht erst diskutieren. „HĂ€? Ihr ĂŒberlegt doch nicht im Ernst da hoch zu laufen?? Hoch??“ Gestern hĂ€ngt uns allen noch ein bisschen in den Knochen. Also, kurzer Weg nach unten und dann einen halben Tag freihaben, WĂ€sche waschen, schreiben, Internet, ausruhen, Muskelaufbau :-). Das ist perfekt. Und wer soll das ĂŒberhaupt sein, dieser „Brad PItt??“

Das FrĂŒhstĂŒck ist ziemlich chaotisch, zahlen und auschecken dann auch. Wir erfahren spĂ€ter, dass das ganze Personal im Laufe der Woche „verschwunden“ ist. Ich kann dieses morgendliche Schinken-oder Marmeladenbrot jetzt schon nicht mehr sehen, will ohne FrĂŒhstĂŒck los, bekomme dann aber spontan noch Kuchen-Reste vom Vortag.

Wir hatten wohl echt GlĂŒck gestern mit dem Essen. Ein paar Leute waren die ganze Woche hier, David erzĂ€hlt an den Vortagen gab es im HalbpensionsmenĂŒ einmal „Kartoffeln mit Nudeln“ und einmal „Reis mit Gurke“. Der einzig ĂŒbrig gebliebene Angestellte ist wirklich supernett und bemĂŒht, aber heute morgen allein in dieser riesigen, ausgebuchten HĂŒtte. Mein Rucksackzwilling schimpft: „Man merkt so sehr, hier fehlt eine Frau. Man kann sowas doch nicht nur mit MĂ€nnern bewirtschaften!“

Vor dem Haus stehen schwarze Pferde, zwei warten am Tor.

Andere wollen zum Haupteingang ins Haus, ein weiteres scheint sich spĂ€ter mit dem schwarzen VW Passat oben auf dem Parkplatz paaren zu wollen. Der Seitenspiegel geht bei dem Versuch kaputt. Ich sitze eine halbe Stunde geduldig an der Bar um zu zahlen und es ist echt unglaublich, was der Mann fĂŒr einen Stress hat. Ich helfe ihm ein bisschen mit Teller wegrĂ€umen, und den Leuten sagen, dass der Kaffee noch nicht durchgezogen ist und sie noch 10 Minuten warten sollen, aber so richtig nĂŒtzlich kann ich mich auf die Schnelle doch nicht machen.  Es wird so oft verherrlicht, das Leben da oben auf dem Berg, oder „draußen“,  als wĂ€re grundsĂ€tzlich „in der Stadt“ alles schlecht, hier „alles gut“. Mir ist diese Widerspruch letztes Jahr schon ein paar mal aufgestoßen. Nein „hier“ ist nicht immer alles automatisch „besser“ auch hier gibt es Menschen die sich komplett fĂŒr andere aufarbeiten, Missmanagement, schlechte FĂŒhrung. Oder auch Menschen, die das was sie tun, nicht mit Freude und Herzblut tun. Sondern mit einem Gewinnmaximierungsgedanken. Oder was sie glauben sie „mĂŒssen“. Genauso wie es „in der Wirtschaft“ Menschen gibt, die mit Freude und Leidenschaft am richtigen Ort wirken. Es gibt alles ĂŒberall.

Die zwei gleichen RucksĂ€cke laufen kurz vor 9 los, die Jungs brauchen noch lĂ€nger, wie immer halt. Wir fĂŒhlen uns super-abenteuermĂ€ĂŸig, weil wir haben ja fĂŒr heute noch keine Unterkunft in Stall! Das machen wir SPONTAN! Total aufregend ist das. Auf leichten Wegen geht es nach unten, es heißt wir wandern heute auf dem Alpe-Adria-Trail. Somit folgen wir diesen Schildern. Ich sehe schon bald auf meiner App, dass wir nicht ganz exakt richtig sind, aber von der Richtung doch vielleicht so ungefĂ€hr? Ein bisschen parallel zum eigentlichen Weg, doch, das passt bestimmt. Wir sind ja auf dem Alpe-Adria-Trail! Und der Weg ist schön, die Luft so klar, die Berge vernebelt (das ist das Beste! Diese BestĂ€tigung dass es „da oben“ heute nix zu sehen gibt!) es ist trocken und warm. Wir plaudern uns nach unten, passieren eingebrochene und zugewachsene Abenteuer-BrĂŒcken!

Irgendwann wird klar, so ganz richtig ist das nicht wie wir gehen, aber wir wollten ja einen Abenteuer-Tag. Es geht „nach unten“ und wir werden heute nicht zurĂŒck aufsteigen
 Vermutlich kommen wir in Innerfragant raus. Das ist zwar völlig falsch, aber KURZ! Haha. Von oben sehen wir auf der Straße einen gelben Bus fahren, in die entgegengesetzte Richtung, aber immerhin fahren auf dieser Strasse Busse. DAS ist schon mal gut. Es ist Sonntag, und hier geht oft unter der Woche nur 3 mal am Tag was, das wird dann heute eher weniger sein, aber wir sind im Flow, alles wird klappen, man braucht nichts planen, das spĂŒren wir.

Als wir nach einer Stunde kurz vor der Strasse sind, sehen wir den gelben Bus. In die RICHTIGE Richtung fahren. Ich renne los. Die deutlich Sportlichere von uns ruft „Das schaffen wir NIE, das ist zu weit!“

Ich renne ja grundsĂ€tzlich nie. Das letzte Mal dĂŒrfte bei den Bundesjugendspielen beim 50 Meter-Lauf gewesen sein. Die sind ein paar Tage her. Ich verfĂŒge also ĂŒber keinerlei aktuelle Erfahrungswerte, wieviel Strecke man bei dieser Art der Fortbewegung so machen kann (oder auch nicht) und renne weiter. Was wir von oben nicht sehen konnten, dass die Bushaltestelle weg von der Strasse ist auf einem kleinen Kiesweg ist und wĂ€hrend er da hinrangiert wir ihn eben doch fast erreichen! Und dann sieht er uns auch schon und wartet. Wir springen rein, fragen ob er zufĂ€llig nach Stall fĂ€hrt? Nein, da fĂ€hrt er ĂŒberhaupt nicht hin. Egal, wir wollen jetzt Busfahren, wo wir ihn doch so dramatisch knapp erreicht haben. Er soll uns irgendwo hinfahren, wir sind Abenteurerinnen! Er kann uns in Außerfragant absetzen. Na das klingt definitiv abenteuerlich! Auf nach Außerfragant!

Von da wird schon irgendwas nach Stall gehen, meint er. Na also. So machen wir das. Er ist nicht ganz so gesprÀchig wie der Rauris-Bucheben Busfahrer, aber wir unterhalten uns trotzdem mit ihm.

Also, wir reden – weitestgehend gleichzeitig. Plötzlich hĂ€lt er an „Hier, Aussteigen!“ Kurz ĂŒberlege ich, ob er uns grad rausschmeißt und wir ihn doch ein bisschen zu sehr genervt haben? Aber er deutet auf das Halte-Schild und meint „Hier warten! NĂ€chster Bus. Stehenbleiben! Genau HIER!“

Wir bedanken uns artig, springen aus dem Bus, sind uns aber einig uns von MĂ€nnern gar nix sagen zu lassen. Schon gar nicht in diesem Ton. Wir werden einen Teufel tun und hier Stehenbleiben, wir laufen jetzt irgendwohin. Es ist Abenteuer-Flow-Tag. Wenn wir eine Stunde in diese Richtung gehen kommt ein See, verkĂŒndet mein Rucksackzwilling mit Blick auf sein Smartphone. Da könnten wir baden. Es gibt dort sogar eine Wakeboard-Anlage, vielleicht können wir attraktiven Surfer-BĂŒrschlein ein bisschen zugucken (natĂŒrlich nur gucken!!) Vielleicht sieht einer ja aus wie Brad Pitt, dann wĂ€re das auch abgehakt.

Und von dem See aus wĂ€re es nur noch eine weitere Stunde zu Fuß nach Stall, das ist zu schaffen. Oder wir finden eine andere Möglichkeit. Nicht weiter planen als zum Baden, Baden darf und muss man planen, das ist erlaubt. Mehr nicht. Wir wissen immer noch nicht wo wir heute schlafen werden! Es ist warm, vielleicht ja draußen? Ist das aufregend. Wir sind beide voll im Abenteuer-Modus. An einem schönen Fluss entlang geht unser morgendlicher Wanderweg, ein paar Vögel zwitschern uns zu. Außer einem Inline-Skater treffen wir niemanden. „Wir kommen schon noch auf die 15 km vom heutigen Tourplan“ lacht Mira, „nur sind wir die halt ganz woanders gegangen!“

Der See ist der Gössnitzer See, langsam zieht es zu, aber wir WERDEN baden, soviel steht fest. Wir finden eine geeignete Stelle sogar mit Picknick Bank.

Außer einem Angler, der höflich wegguckt, als wir doch ziemlich unbekleidet da reinhĂŒpfen, ist niemand da. Es ist herrlich, kĂŒhl, vielleicht 17, 18 Grad,  grĂŒnes Wasser, es tut so gut an den FĂŒĂŸen und den von gestern doch etwas gestressten Beinen, ein Traum. Wieso badet hier niemand? Bloß weil das Wetter nicht gut ist?? Die Wakeboardanlage ist gegenĂŒber, wir schwimmen rĂŒber, aber die Surfer von heute scheinen ziemlich verweichlicht zu sein. Auch hier ist niemand.

Als wir rauskommen, sieht es doch ziemlich nach Regen aus. „Und jetzt?“ Wir sehen ein offenes CafĂ©-/Kiosk weiter hinten, das SeehĂ€usl. Da gehen wir mal hin, am Parkplatz sind Autos, vielleicht nimmt uns jemand mit.

Aber eigentlich könnten wir hier doch erstmal einkehren? Das tun wir. Als wir das kleine See-CafĂ© Betreten schallert Vicky Leandros aus dem Lautsprecher. „Was kann mir schon geschehen? Du weißt ich liiiieeeeebe das Leben
.“

Und dann wird es uns doch zu viel des Abenteuers. Es ist immerhin halb 12 mittags und wir haben noch kein Bett fĂŒr heute Nacht. Der Regen setzt ein, vielleicht hat sich das mit dem Draußenschlafen doch erledigt? Wir rufen beim Gasthof zur BrĂŒcke an, da haben die beiden Jungs sich eingebucht. Es ist voll. Wir rufen das Gasthaus Suntinger an, das wĂ€re meine erste Wahl gewesen. Es ist voll. Pension Kohlbauer hat laut Booking.com noch ein Zwei-Bett-Zimmer, ist aber megaschlecht bewertet. „Kohlbauer! Wie das schon klingt“ schimpft Mira. „Nein, das machen wir nicht!“ Wir gucken weiter im Rother (ich werde langsam doch nervös
) „Dorfschenke! Das klingt gut! Ruf da an!“ sagt sie. Ich rufe an. „Ja servus. Ihr könnt ein DZ bei mir haben oder ein Apartment mit zwei Zimmern, ganz wie ihr mögt. Wo seid ihr denn? Ach im SeehĂ€usl? Das ist aber ein biserl abseits der Route, oder? Der Weg war bestimmt sehr schlecht ausgeschildert. (Ich liebe ihn fĂŒr diese Bemerkung!!) Es regnet doch grad! Soll ich euch holen? Ja, dann bis gleich!!“  Kurz drauf betritt Gerhard das SeehĂ€usl, ratscht mit ein paar der GĂ€ste und sammelt uns in sein Auto ein. Wieeee nett ist das denn jetzt wieder???

Flowtag. So geht das.

Die zwei Abenteurerinnen beziehen ein entzĂŒckendes kleines HexenhĂ€usschen, jede mit eigenem Zimmer.

Wir flippen aus, als wir den Fön im Bad entdecken! Haare waschen UND hinterher nicht frieren? Wie genial! WĂ€sche waschen können wir auch dort! Inzwischen schĂŒttet es in Strömen, es ist wieder dieser innerlich ruhige GefĂŒhl von „entscheidungs-zufrieden.“ Jetzt nicht ĂŒber rutschige Geröllfelder balancieren ohne Sicht auf der Suche nach Brad Pitt (der wahrscheinlich gar nicht da war..), sondern in einer gemĂŒtlichen KĂŒche sitzen ist so viel besser. Mira hat eine große Kanne Tee gekocht, das setzt dem GemĂŒtlichkeits-Feeling die Krone auf. Sie hat in einem Zipperbeutel etwas dabei, von dem sie behauptet, es sei eine vietnamesische Tee-SpezialiĂ€t. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mit diesem PĂ€ckchen ĂŒber die Grenze kommen wird. Aber es schmeckt köstlich. Köstlich und gemĂŒtlich. Geborgenheit im Zipperbeutel.

Die Jungs schicken kurz drauf Weißbierfotos, wo wir denn blieben? Wir sind schon lange da, schreiben wir. „Ihr habt doch geschummelt!“ kommt es zurĂŒck
 Kurz drauf sitzen sie in unserer KĂŒche (sie haben auch geschummelt aber anders) haben sich trotz Sonntag irgendwo ein Weißbier organisiert und wir ratschen und lachen und gucken Fotos und Videos an. Fred zeigt uns, warum man in der Kitzlochklamm Helm tragen musste, er hatte ein Video vom durch den Tunnel laufenden David gemacht, dem plötzlich der Helm in weitem Bogen wegfliegt, weil er sich unvermittelt den Kopf an der Höhlen-Decke angehauen hat. Ich kann echt nicht aufhören zu lachen.

WĂ€hrend sich die WĂ€schetrommel mit unserem gesamten Rucksack-Inhalt dreht, Mira ein Nickerchen hĂ€lt und ich schreibe, reißt der Himmel wieder auf. Wir hatten Nachmittags aus voller Überzeugung beschlossen, das Haus heute nicht mehr zu verlassen und „Rucksack-Reste“ zu essen, bisschen Eiweissriegel, Schoki, NĂŒsse, Mannerschnitten und vietnamesischer Tee finden sich schon noch. Aber dann ziehen wir doch los, mit den wenigen Klamotten am Körper die grad nicht auf der Leine trocknen. Nach einer kurzen Ortsbesichtigung – vermutlich ist es ein Kaff aber wir finden es beide so entzĂŒckend – landen wir bei Suntinger. Das war wohl frĂŒher mal ne Tankstelle, heute Gasthaus und Oldie-Treff. Also die Autos. Nicht wir. Das sind die, die vorhin kein Zimmer mehr fĂŒr uns hatten, aber kochen tun sie fĂŒr uns! Und zwar gut.

Eigentlich wollte ich Pizza essen, aber der Wirt meint, das sei ja nur ein Fertigteig den er belegt, aber die Kartoffelkrapfen, die macht er selbst. Dann nehmen wir natĂŒrlich die, zusammen mit Salat, Wasser, Wein. „Sieht aus wie Maultaschen!“ meint Mira. „Schmeckt aber!“, sage ich. Ausgesprochen köstlich sogar und irgendwie zahlen wir hinterher zusammen fĂŒr alles 22 Euro?? Schnaps gibt es auch noch. Mira erzĂ€hlt, sie war mal AuPair in Ludwigsburg. Und hat dann in TĂŒbingen Psychologie studiert. Sie konnte sich an diese Maultaschenesserei auch nie gewöhnen. Wir haben so viel gemeinsam.

Wir reden, ĂŒber die Zukunft, ĂŒber LebenstrĂ€ume und ĂŒber den Mut Neues auszuprobieren. Jedes GesprĂ€ch mit ihr ist gleichzeitig leicht und tief. Einerseits hab ich den Eindruck, mit mir vor einem Jahr zu sprechen, andererseits ist es auch „Ausblick“, sie hat schon öfter berufliche Auszeiten eingelegt, einmal sogar 2 Jahre. Jeder meinte damals, mehr als ein Jahr darf man nicht raus gehen, sonst findet man nichts mehr. Sie ist mit Karrieresprung wieder eingestiegen. „Es geht immer“ sagt sie. „Es gibt da draußen keine Sicherheit, man muss sie aus sich selbst ziehen.“ Und dass sie als Personalerin niemanden mehr mit geradem Lebenslauf einstellt, der nicht mal den Mut hatte zu springen und was Neues auszuprobieren.

Sie hat selbst grad ihren „wichtigen“ Job als HR Leiterin in einem riesigen Konzern gekĂŒndigt und will jetzt einfach ĂŒberlegen, was als nĂ€chstes dran ist. Was „SINN“ macht. Sich mit dem was man kann selbststĂ€ndig machen, eine Kombi aus bisherigem oder ganz was anderes? Sie leuchtet bei einem Thema sehr, ich habe ja die Vermutung es wird „ganz was anderes“. Sie sagt, sie muss das jetzt entscheiden, es beschĂ€ftigt sie schon 5 Jahre lang, reift immer weiter. Daher auch die Reise. Bis Triest will sie ihre Antwort gefunden haben.

Es sind dieselben Gedanken die mich vor 12 Monaten beschĂ€ftigt haben, es ist so spannend ihr (und irgendwie auch mir) zuzuhören. Sie ist beeindruckt von David, der mit 29 Jahren einfach was aufbaut in einem anderen Land, gleichzeitig so reflektiert ist zu wissen, die MentalitĂ€t hier und er passen nicht so gut zusammen. Er will anders leben. Und dabei nicht meckert, sondern macht. Mir wird bei diesen GesprĂ€chen auch klar: Ich suche grad gar nix. Es ist alles gut wie es ist und ich bin so tief zufrieden mit den Entscheidungen der letzten Monate. Ich laufe grad einfach „nur“, weil es mir so gut tut, körperlich wie mental, die Schönheit der Berge die Seele auftankt, man so nette Menschen trifft, lacht, redet, ein paar Tage gemeinsam wandert. Über Grenzen geht, wĂ€chst und diese Weite und Tiefe, die sich in der Brust ausbreiten, in sich aufnimmt.

Es ist ein so schöner Abend, der Wirt ist so unglaublich nett. Er selbst ist grĂŒn-weiss und seine Bar rot-weiß kariert.

Er bietet an Fotos von uns zu machen und meint beim Blick aufs Display „Ihr seht sehr gut aus – so aus der Ferne!“ 😂 Komplimente machen können sie hier!

Als wir zum Zahlen an die Bar gehen, mustert uns ein biertrinkender Dorfbewohner (er sieht dem Enkel vom Statzerhaus ein bisschen Ă€hnlich) von oben bis unten und wieder zurĂŒck. „Findest du, dass wir ein bisschen komisch aussehen?“ fragt Mira freundlich. Sie trĂ€gt eine etwas unentschlossen wirkende Mischung aus „komme grad vom Joggen“ und „komme grad vom Schlafen“. Ich trage Outdoorjacke auf blauem Kleid abgerundet mit Schlaf-Leggins und weißen FlipFlops. Echten Wandelei FlipFlops vom Schwarzmarkt!. „Na gor net!“ ruft er, und fĂ€llt vor lauter abwehrender Handbewegung fast hinterrĂŒcks von seinem Barhocker. „Gor net, wirklich, na!“ „Wir laufen von Salzburg nach Triest und der Rest unserer WĂ€sche hĂ€ngt grad auf der Leine.“ erklĂ€r ich ihm. Er lacht laut: „So a schmarrn! Koana mocht sowos! Des konn ma doch olles mitm Auto fahrn!“ Der Wirt erklĂ€rt uns, sie seien beide JĂ€ger, wir wĂŒrden morgen genau an ihrem Revier vorbei laufen, gleich hinterm Gippersee. Na genau da wollten wir baden.

Morgen stehen 1.750 Höhenmeter HOCH auf dem Programm. So viel bin ich noch nie in meinem Leben an einem Tag gelaufen. Es ist Traumwetter angekĂŒndigt. Wir sind ausgeruht, haben gut gegessen, getrunken, gesprochen und gelacht. Und – wie Pippi Langstrumpf sagt:


:

Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“

7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Da du mit deinen Berichten um 6 Tage hinterher bist,

    H A S T D U E S G E S C H A F F T ! ! ! !

    Du lĂ€sst uns so toll teilhaben an deinem Abenteuer. Und wer braucht schon Brad Pitt wenn er/sie einen Zwilling (auf Zeit) gefunden hat đŸ€©

    Ich wĂŒnsche dir weiter viele „esgehtheutsoleicht“ Tage, und ab und zu gutes WLAN.

    đŸ€—

    Antworten
    • Katharina Ehrhardt
      17. Juli 2021 10:17

      Da ich hier den Almbetrieb durcheinander gebracht hĂ€tte, wenn ich mich morgens schon losgemacht hĂ€tte, werde ich heute Mittag die HĂ€lfte der Etappe gefahren
 🙂 Es sollte heute leicht gehen :-))))

      Antworten
    • Katharina Ehrhardt
      19. Juli 2021 8:56

      Das ist echt das einzige Defizit, das mit dem WLAN
.. Ja diesen Brad Pitt braucht kein Mensch
.

      Antworten
  • Ich bin sicher: Du hast es geschafft!
    Es ist so kurzweilig, deine Berichte zu lesen!

    WĂŒnsche dir weiterhin gutes Wetter und leichte Tag!

    Antworten
    • Katharina Ehrhardt
      17. Juli 2021 11:40

      Danke! Ja, ich verrate es schon mal! Wie waren die Stars der HĂŒtte! Wetter darf jetzt besser werden, ich laufe heute nach ITALIEN!

      Antworten
  • Viel Spaß weiterhin und freu Dich auf das leckere Eis in bella Italia🍧

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Hi, ich bin Katharina

Ein Jahr nach meinem MĂŒnchen – Venedig Abenteuer versuche ich es erneut zu Fuß ĂŒber die Alpen, diesmal „weiter drĂŒben“. Seit 30.6.21 bin ich unterwegs von Salzburg nach Triest. 500 km, 26.000 Hm. Hier könnt ihr in Gedanken wieder mitlaufen!

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