Salzburg - Triest

Tag 22 Salzburg – Triest: Höhenmeter-Ausgleichstag

Mittwoch, 21.07.21

Dom Postarski – Trenta (Bus) von da aus zur Pogacnikov dom na Kriskih Podih Hütte (diese Sprache bringt mich noch um!!) Umgehung der offiziellen Etappe 20 wegen gefährlichem Schneefeld.

HM rauf 1.480, runter 340, km 12,5, reine Gehzeit 5 Stunden

Wir haben den heute schwierigsten Tag (Etappe 20) gegen einen der konditionell herausforderndsten eingetauscht. Damit gleiche ich meine weggemogelten Höhenmeter zur Dellacher Alm fast aus, und bin jetzt wieder Höhenmeter-neutral! Auch ein gutes Gefühl.

Zum Frühstück gibt es…. Wiener mit Senf?? …Geht schon, wenn man sehr hungrig ist. Irgendwo finde ich ein Päckchen slovenische Fake-Nutella, die sich als so schwarz-weiß-Creme herausstellt. Na was solls. Carmen aus Köln fragt vergnügt, was wir denn heute alle so vor hätten. Irgendwer bringt tatsächlich die Geduld auf, es ihr nochmal zu erklären. „Also ICH laufe ja heute nach Trenta!“ erzählt sie. „Sag bloß du schläfst da im Heu?“ frage ich sie. Sie freut sich total „Jaaaa!!! Woher weißt du das?“

Wir laufen zum Pass zurück, da ist DIE HÖLLE los, Autos überall, und das unter der Woche. Der Bus kommt mit einer halben Stunde Verspätung, fährt uns in vielen Kehren nach unten. Die Schwäbin analysiert völlig richtig: „Alles Höhenmeter, die wir schon gemacht haben….und gleich wieder neu gehen dürfen…“ Trenta ist wirklich winzig, der Weg runter muss aber wirklich schön sein.

Man kommt dabei an der Soca-Quelle vorbei, das was Carmen heute läuft. Auch Mira schickt später Bilder. Sie ist sowohl die 3 Stunden RUNTER gelaufen als auch dann die 1.500 HM rauf…. Es sieht aus wie eine Türkis-Farb-Fabrik! DA kommt also die Farbe für den Fluss her…Verrückt…

Unten angekommen machen wir noch einen Abstecher zu einer Brücke, abseits unseres Weges zum Fluss. Ich will gleich wieder Baden, aber es ist sogar mir zu kalt. Aber wunderschön! Manchmal ist es schon gut, wenn man ein bisschen plant.

Der Mann hatte das auf der Karte gesehen. Die Schwäbin kommt mit, wir haben den Fluss und die Brücke kurz für uns allein, dann scheint ein Bus oder irgendwas anzukommen – scheinbar ein Instagramm Hotspot hier. Der Weg nach oben zur Hütte ist mit 4 Stunden ausgeschildert, wir werden 5 brauchen. Es geht heute, nach dem langen Tag gestern, echt zäh, bei uns beiden. Der Berg macht es uns eigentlich leicht, der Himmel mit ein paar Wolken auch. Man kann 1.500 HM nicht gleichmäßiger verteilen, wie es hier der Fall ist, es ist der gleichmäßigste Berg den ich je beschritten habe, die Wege sind supereinfach, ich lasse den ganzen Tag die leichten Turnschuhe an.

Aber es ist heiß, wir haben 2 Liter mehr Wasser dabei, ich hab die Bergschuhe im Rucksack = 4 Kilo mehr in Summe. Man merkt das sofort.

Wir gehen langsam, machen wirklich viele Pausen. Man sieht hier  so klar den Unterschied zu den anderen Etappen, das hier ist halt ne Bergtour, man sieht die Hütte von unten schon weit weit weg und geht ihr eben entgegen, nicht wie sonst von neuer Landschaft zu neuer Landschaft, über Scharten oder um Berge drumrum in neue Szenerien. Das was den Reiz einer Alpenüberqerung ausmacht.

150 Höhenmeter vor der Hütte kommt ein auf Slowenisch ausgeschriebener Abzweig, der mir nix sagt, der Mann weiß aber: Hier kommt ein See!! Manchmal ist Planen schon SEHR gut!! Dahin biegen wir jetzt nämlich ab.

Er ist so klar! Hinten tropft so weißes Zeug hinein, ist das etwa Schnee??? Aber dann kann man ja vorne bestimmt Baden. Und das mache ich dann auch. Ich tippe auf 12 – 14 Grad, deutlich wärmer als der Gippersee. Ich schreie auch gar nicht beim Reingehen, lasse aber die Flippis an, der Boden ist  mit ziemlich scharfen Steinen überseht. Hätte ich in diesem Moment gewusst, dass es für viele Tage das letzte Mal sein wird, dass mein Körper mit Wasser in Berührung kommt, wäre ich länger drin geblieben und hätte auch den Mann nachdrücklicher zu einem letzten Bade gedrängt. So schlage ich es nur einmal vor und lasse es dann gut sein, als er mir einen Vogel zeigt. Wir liegen ewig draußen, die Sonne wärmt mich wieder auf. Und dann kommt er plötzlich wer elegant auf uns zu? Unser erster Steinbock! Ein noch jüngeres Examplar, guckt neugierig zu uns und schreitet dann stoisch weiter. WIE SCHÖN!!!! Unser beider Tageshighlight.

Dann die letzten Meter, trotz des erfrischenden Bades – zäh… Doch dann: Hütte in Sicht!

Mit Panorama-Liegestühlen! Leider ist es oben windig und inzwischen zu kalt 🙁

Die Hütte ist schon wieder irre voll! Leute, reserviert eure Plätze! Es ist ECHT voll hier. Zum Abendessen gibt es Sauerkraut-Bockwurst-Eintopf oder Spaghetti Bolognese. Ich nehme letzteres. Und schreibe kurz drauf der Köchin von der Tröpolacher Alm, dass ich ihre Bolo vermisse. Das ist hier schon alles ok, macht satt, ist aber so… zweckmäßig? Es fehlt ein bisschen Liebe und Wärme im Essen. Es macht mich nicht so gaaaanz glücklich, vor allem nicht nach einem anstrengenden Wandertag. Ein Pärchen, etwa in unserem Alter, sitzt am Nebentisch, auch mit Salzburg-Triest-Führer. Die Schwäbin weiß, sie sind heute die Schnee-Etappe gegangen, offensichtlich haben sie es überlebt. Ich bin zu müde sie zu „befragen“, vielleicht morgen beim Frühstück. Wir gehen total früh ins Bett, sind beide superplatt.

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Hi, ich bin Katharina

Ein Jahr nach meinem München – Venedig Abenteuer versuche ich es erneut zu Fuß über die Alpen, diesmal „weiter drüben“. Seit 30.6.21 bin ich unterwegs von Salzburg nach Triest. 500 km, 26.000 Hm. Hier könnt ihr in Gedanken wieder mitlaufen!

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